Der Bildstockwanderweg Straß
Der Markt Straß ist hinlänglich bekannt durch seine hervorragenden Weine und durch seine gepflegte Gastronomie. Weniger bekannt sind die vielen Kunst- und Kulturdenkmäler, die im Ortskern, aber auch außerhalb in den Fluren des Weinortes zu finden sind. Um diese Sehenswürdigkeiten dem Gast und den Straßern selbst näher bringen zu können, wurde dieser Bildstockwanderweg geschaffen.
Unsere mobile Welt vernachlässigt so viele kleine Dinge, die buchstäblich am Wege liegen, aber nicht beachtet und geschätzt werden. Die niederösterreichische Landschaft wird ganz wesentlich mitgeprägt von den vielen Flurdenkmalen, Bildstöcken, Marterln, Wegkreuzen und wie sie immer heißen mögen.
Viele von ihnen vermitteln Wissenswertes, berichten aber auch über menschliche Tragödien und geschichtliche Begebenheiten.
Der Bildstockwanderweg verbindet Bewegung, Kultur und Natur und soll dem Wanderer so manches Schöne in unserer Heimat Straß näher bringen.
Einige Daten über den Bildstockwanderweg:
Länge: Ca. 6 Kilometer
Gehzeit: Etwa 1 1/2 Stunden
Die Gehstrecke ist abgesehen vom Ortsgebiet zum Großteil auf staubfreien und verkehrsarmen Güterwegen angelegt.
Die erste Station unseres Wanderweges ist eigentlich kein religiöses Mahnmal, sondern ein Gerichtsort. Der Pranger war bis Kaiser Josef II (1741 -1790) der Vollzugsort für Schandstrafen. Der Verurteilte musste eine bestimmte Zeit am Pranger stehen und konnte vom Pöbel verspottet werden. 14 Tage vor bis 14 Tage nach den Jahrmärkten wurde der Schwertarm aufgesteckt. Dadurch sollte das zusammenströmende fahrende Volk wissen, dass zu dieser Zeit dem Marktrichter notfalls auch der Blutbann, also das Gericht über Leben und Tod, zustand. Die Kugel am Oberteil des Prangers, Bagstein genannt, wurde bei bestimmten Strafen dem Verurteilten umgehängt.
Die Säule stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der achteckige Schaft ist ein Sinnbild des geistlichen und des weltlichen Rechts.
Nach einer kurzen Wanderung entlang des Gscheinzbaches (neuerdings wird er laut Wasserbuch auch Gschienzbach bezeichnet) sehen wir das Wahrzeichen von Straß — die Marienbrücke, auch Kaisersteg genannt. Um diese barocke Doppelbogenbrücke rankt sich eine kleine Geschichte. An der rechten Seite des Baches in der sogenannten Hofpresse wohnte früher die alteingesessene Straßer Familie der Kaiser. Ein Ahnherr dieser Familie spielte gerne Karten mit dem Pfarrer, der im Pfarrhof an der gegenüberliegenden Seite des Baches wohnte. Da die Marienbrücke noch nicht existierte, musste er einen beträchtlichen Umweg in Kauf nehmen, um über die große Straßenbrücke zu dem nur etwa 50 m entfernten Pfarrhaus zu gelangen. Aus diesem Grunde ließ er die Marienbrücke auf seine Kosten erbauen. Ein Zweitname für diese elegante Fußgängerbrücke heißt daher nach seinem Erbauer »Kaisersteg«.
Die Brücke schmückt eine Mutter Gottes, hier im Typus der Immaculata conceptio, der von der Erbsünde unbefleckt empfangenen Jungfrau: Mit gefalteten Händen fürbittend steht sie auf der Weltkugel, um welche sich die Schlange mit dem Apfel des Sündenfalls im Maul sowie mit Stachelschwanz ausgestattet windet, von dem Fuß der Madonna niedergetreten.
Gegenüber steht ein gleiches Postament mit einer Spitzpyramide als Träger einer Laterne.
Diese beiden »Brückenheiligen« standen ursprünglich an den beiden Seiten der großen Straßenbrücke über den Gscheinzbach. Beim heiligen Florian spielt der stets so wichtige Name mit; im Lateinischen hängt er mit dem Begriff des Blühens zusammen. Sein Feiertag fällt auf den 4. Mai, einen Zeitpunkt also, auf den die Wichtigkeit der Versorgung mit Wasser besonders zutrifft. Und mit dem Wasser hat er eben durch seine Todesart direkt zu tun. Nach der Legende wurde er, als er sich trotz seiner angesehenen Stellung in der römischen Beamtenschaft zum Christentum bekannte, mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns gestürzt. Aus diesem Grund ist der heilige Florian auch Schutzpatron der Müller und der Feuerwehr.
Der hl. Florian ist als römischer Offizier mit der Fahne dargestellt, in der Rechten hält er den Wassereimer, der ihn als Feuerwehr-Patron ausweist.
Der hl. Johannes Nepomuk wurde im Jahr 1393 in der Moldau wegen seiner Standhaftigkeit bezüglich des Beichtgeheimnisses ertränkt, wobei aus dem Wasser die fünf Sterne aufstiegen, die zu seinen typischen Beigaben gehören. Nach seiner Heiligsprechung im Jahre 1729 wurde sein Kult vor allem durch die Jesuiten und Habsburger gefördert. Er wurde zum allgemeinen Wasserpatron, das heißt sowohl gegen Hochwassergefahr als auch gegen Dürre; das besonders im Hinblick auf die ersehnte Bewässerung der Weingärten um seinen Festtag am 16. Mai. Seine Statuen finden wir daher besonders häufig in Weinbaugegenden und meist ist der hl. Florian sein Gegenstück. Im Volksmund wird er als der »böhmische Hansl« bezeichnet. Er ist dargestellt im Priesterornat mit dem Birett, in den Händen hält er ein Crucifixus und eine Lilie.
Beide Statuen stammen aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts.
Nach einer kurzen Wanderstrecke durch die Sauerbrunngasse steht linker Hand das bescheidene Wagnsonner-Kreuz.
Dieses Kreuz wurde im Jahre 1938 vom Straßer Weinhauer und Fassschnitzer Anton Wagnsonner aus Dankbarkeit für einen glücklich überstandenen Sturz vom Dachboden errichtet.
Nach dem Wagnsonner-Kreuz führt uns der Weg nach etwa 100 Metern rechts in die Hasel-Kellergasse. Während der Wanderung durch diese teilweise noch in ihrem Ursprung erhaltenen Kellergasse tut sich rechter Hand der Blick in die Donauebene auf.
Das »Weinhauer-Kreuz« wurde im Zuge der Anlegung dieses Bildstockwanderweges an dieser Stelle in der Kellergasse neu errichtet. Dass aus Fassdauben das Kreuz gezimmert wurde, hat eine starke Symbolik. Innerhalb dieser Fassdauben — also in den Weinfässern — ruht der Segen Gottes und reift hier seiner Vollendung entgegen. Der Gekreuzigte, aus Gusseisen gefertigt, soll die Weinhauer immer daran erinnern, dass es letztlich bei Gott liegt, wie groß der Ertrag der schweren Weingartenarbeit ausfällt.
Das Kreuz soll aber auch der Dank der Weinhauer dafür sein, dass trotz aller Probleme, die mit dem Weinbau und der Weinkultur zusammenhängen, in den Straßer Rieden immer ein qualitativ hervorragender Wein gedeiht.
Die Inschrift am Sockel, die hier im vollen Wortlaut wiedergegeben ist, sagt eigentlich schon alles über diese Gedächtnissäule aus:
Errichtet von
Leopold u. Maria Wagnsonner
1908
Doppeljubiläumsjahr
50 jähr. Priesterjub. Sr. Heiligkeit Papst Pius X.
60 jähr. Regierungsjub. Sr. Maj. Kaisers Franz Josef I
Ave Maria.
Der Tabernakel zeigt an seiner Vorderseite eine Pieta im Relief. Angeblich soll es bei der Formulierung der Inschrift zu Gewissenskonflikten gekommen sein, da man nicht wusste, wem man den Vorrang zu geben hätte, dem Papst oder dem Kaiser. Schließlich wurde doch die kirchliche Instanz vor dem weltlichen Machthaber genannt.
Entlang an Weingärten und Äckern führt der Weg zur Landeshauptstraße 43, die nach Hohenwarth und weiter nach Ziersdorf führt. Das rote Kreuz erhebt sich knapp an der Kreuzung, also an einem volkskundlich interessanten Punkt. Wegscheiden, Kreuzwege, insbesondere Dreiwege galten schon bei den Römern als geheiligt und wurden oft mit kleinen Sanktuarien geschmückt. Im neueren Volksglauben gelten solche Plätze als Versammlungsort von Hexen oder als Stellen, an denen man unter gewissen Bedingungen mit dem Teufel verkehren kann. In den Raunächten und besonders in der Christnacht konnte man hier in die Zukunft blicken (»losen»).
Unweit dieses Kreuzes auf der Gautscherhöhe, die sich rechter Hand mit Weingärten bedeckt erhebt, stand früher einmal das Hochgericht der Herrschaft Falkenberg. Es ist leicht vorstellbar, dass an dieser Stelle die Verurteilten an den Henker ausgeliefert wurden. Bis zu diesem Kreuz begleitete der Priester den Delinquenten.
Rote Kreuze gibt es sehr viele. Zahlreiche Geheimnisse ranken sich um diese eigentümlich gefärbten Zeichen der Volksfrömmigkeit. Auf Plänen eingezeichnet ergeben die Verbindungslinien zwischen den roten Kreuzen oft exakte geometrische Muster wie gleichseitige Dreiecke oder Rhomben. Genauere Deutungen darüber lassen sich jedoch nicht geben.
Etwa 700 m von hier entfernt steht an der Bundesstraße in Richtung Straß das »Weiße Kreuz«. Von dort ist es nur mehr eine kurze Strecke bis zur Kirche, dem Endpunkt unseres Bildstockwanderweges. Wer aber die Wanderung zu den wertvollsten Bildstöcken unserer Heimat fortsetzen möchte, muss dem Güterweg auf der anderen Seite der Straße folgen.
Wer eine kurze Rast einlegen möchte, dem empfehlen wir, dem Güterweg, der halblinks zur Straße in Richtung Nordosten verläuft, zu folgen.
Nach etwa 300 Metern sehen wir eine kleine Hütte mit einer lebensgroßen Steinfigur. Die Figur stellt den »Buttenbürger« dar. Die Straßer hatten nämlich in früherer Zeit den Beinamen Buttenbürger, weil die Butte fast täglich zum Tragen von Erntegut, Arbeitsgeräten und auch Kindern verwendet wurde. Die kleine Hütte diente in früherer Zeit den Weinhütern vor und während der Weinlese als Unterkunft. Die Weinhüter hatten die Aufgabe, die Weingärten zu überwachen und jeden Traubendiebstahl zu bestrafen. Reiches Brauchtum rankte sich um diese verantwortungsvolle Aufgabe und selbst heute noch feiert man die Angelobung des Weinhüters mit einem »Hiatafest«.
Wenn der Hüter seinen Dienst versieht, dann wird neben der Hütte der Hüterbaum aufgestellt; es ist dies ein kleiner Fichtenbaum, an dem auf einer langen Schnur eine Distel als Symbol der Abwehr befestigt wird.
Die Hüterhütte kann natürlich besichtigt werden und diese Örtlichkeit lädt alle Wanderer zum Verweilen und Rasten ein.
Wir sehen nun den Verlauf der Bundesstraße, die nach Hohenwarth führt. Sie heißt im Volksmund Bleckenwegstraße und die angrenzende Weingartenflur heißt Bleckenweg. Dies ist ein uralter Fernverkehrsweg, der wahrscheinlich von Hadersdorf/Straß ausgehend über die Höhenrücken bis Orth an der Donau reichte.
Bereits im Jahre 1083 wird dieser Weg als »plechuntir wech« gemeinsam mit dem Ort Straß erstmals urkundlich erwähnt.
Für Straß besonders schicksalsschwer war während der Bauernkriege im Jahre 1597 der Einfall von etwa 6.000 Bauern über den Bleckenweg, welche 100 Reiter, die in Straß stationiert waren, überfielen und viele davon ermordeten. Die Strafexpedition der »Schwarzen Reiter« des gefürchteten Obersten Morakschy blieb nicht aus. Viele dieser Bauern wurden niedergemacht, die anderen versprengt. Dann wurde die Wut an der Ortschaft Straß ausgelassen. Zahlreiche Tote und eine total niedergebrannte und ausgeraubte Siedlung waren die Folge.
Von der Straßenkreuzung beim roten Kreuz nehmen wir den linksseitigen Güterweg und biegen nach einigen Schritten wieder links ab. Nach kurzer Wanderung kreuzen sich wieder zwei Güterwege und wir müssen links etwa 150 Meter bis zum großartigen Donatus-Bildstock wandern.
Der Volksmund nennt diesen Ernte-, Weinbau- und Wetterpatron liebevoll »Donati«. Wie er wirklich geheißen hat, wissen wir gar nicht. Er war ein Katakombenheiliger und seine Reliquien wurden im Jahre 1652 dem Jesuitenkonvent in Münstereifel geschenkt (lat. Donatus = der Geschenkte). Bei der Ankunft der Reliquien in Münstereifel soll sich ein schweres Unwetter verzogen haben und ein vom Blitz gestreifter Jesuitenpater wurde durch die Fürsprache des heiligen Donatus geheilt. Von diesen Begebenheiten kommt seine enge Verbindung zum Wetter. Donatus wurde also zum Wetter- und Erntepatron, mit besonderer Berücksichtigung des Weinbaus.
Bei der Hebung der Reliquien in den Katakomben von St. Agnes in
Rom fand man darunter ein Messer, eine Schüssel und Reste von Blut. Unser Bildstock zeigt diese Attribute in der Kartusche am Schaft. Vielfach wurde das Messer als Rebmesser und die Schüssel als Ernteschaff ausgelegt.
Auf unserem Bildstock ist der Heilige als römischer Offizier mit Kriegsmantel, Lorbeerkranz, Getreidegarbe und Weinranken dargestellt. Dieser Bildstock wurde im Jahre 1753 vom Marktrichter Springer (ein Vorfahre der Straßer Familie Huber) errichtet. Auf der Kartusche steht die Inschrift: Heiliger Danate/Pitt/Vier uns/Marg Stras/1753«.
Nach der Besichtigung dieses Bildstockes kehren wir wieder zu der Wegkreuzung zurück und gehen linker Hand dem asphaltierten Güterweg nach, bis wir zu drei Weinkellern an einer Wegkreuzung kommen.
Dieses einfache Holzkreuz erhebt sich auf einer Wegkreuzung, also auf einem volkskundlich markanten Punkt. Es wurde vor langer Zeit von der alteingesessenen Straßer Familie Figl gestiftet; das dahinterliegende Grundstück befindet sich heute noch im Besitz der Familie. Der Corpus wurde, so wie bei vielen Friedhof- und Wegkreuzen, aus Gusseisen gefertigt. Die Buchstabenkombination an dem kleinen Blechstück INRI bedeutet »IESUS NAZARENUS REX IUDAEORUM« - »Jesus von Nazareth König der Juden«.
An der gegenüberliegenden Seite sehen wir an der Mauer zwei Steintafeln mit dem Datum 11.8.1946. Die Striche an den Tafeln geben die Höhe des Hochwassers an, welches durch ein Unwetter an dem besagten Tag hervorgerufen wurde und diese Weinkeller arg in Mitleidenschaft gezogen hat. Als Schutz gegen künftige Gefahren wurde diese Schutzmauer errichtet.
Da die kleine ursprüngliche Gedenktafel kaum mehr sichtbar und lesbar war, wurde eine neue eingefügt, um an dieses Elementarereignis stets zu erinnern.
1680 soll es laut Heimatbuch des Kremser Bezirkes von P. Ludwig Koller in Straß 100 Pesttote gegeben haben.
Dieser Bildstock heißt im Volksmund Pestkreuz; ob allerdings wirklich ein Zusammenhang mit dieser Seuche besteht, lässt sich schwer sagen, da keine Inschrift vorhanden ist.
Es handelt sich um einen prismatischen Kalksteinpfeiler auf Würfelbasis mit Wulst und Platte. Die Innenfelder und Rundbogennischen waren ursprünglich blau gefärbelt. Die Innenfelder sind verziert mit Rosetten im Relief. Interessant ist auch die Bekrönung durch ein Steinpostament mit Kugel. Das Kreuz wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet.
Das Schwert- oder Gerichtskreuz ist sicherlich eines der ältesten datierten Flurkreuze Niederösterreichs.
Es handelt sich hier um ein »echtes Marterl« am (vermutlichen) Ort einer Bluttat. Die im vorliegenden Fall funktionell besonders wichtige Inschrift lautet: »Anno Domini MCCCCLXXXIXjar ist gestorben worden Paul Wasman am Sand Steffans abend dem Got gnedig sey ..., das hat... der Jorig Smoll...«
Die Datierung ist somit 1489! Die Formulierung »gestorben worden« deutet auf Mord hin.
Die bildliche Auszier mit Schwert und Beilen könnte aber auch dazu verleiten, an eine »Falltor-Säule« zu denken. Diese Säulen gehören in den Bereich der Rechtsvolkskunde und waren immer an Ortseingängen zu finden. An diesen Stellen waren die Verkehrswege durch ein Falltor abgesperrt. Diese Vorrichtung war aber eher nicht
wegen feindlicher Überfälle vorhanden, sondern wegen der Weidetiere. Beim Falltor war der Ortsbereich zu Ende und daher rechtsvolkskundlich bedeutsam. Daher lautet der Zweitname für den Bildstock Gerichtskreuz.
Pfarrkirche »Maria Himmelfahrt«
Den Höhepunkt unserer Wanderung bildet die frühbarocke Pfarrkirche »Maria Himmelfahrt«. An der Vorderfront sind aber noch einige Stilmerkmale der Renaissance erkennbar — man beachte den Dreiecksgiebel.
Die lateinische Inschrift über dem Hauptportal gibt Auskunft, dass diese Kirche im Jahr 1638 ihrer Bestimmung übergeben worden ist. Geschichtlich interessant ist die Bekrönung der Fassade durch ein Kreuz, das auf drei Hügeln emporragt. Dies ist das Wappensymbol des Stiftes Göttweig; Straß war bis zur Pfarrgründung zur alten Göttweiger Pfarre Mühlbach am Manhartsberg gehörig.
Prägnant ist noch der quadratische Turm mit dem daraufgesetzten Achteckstock. Die sogenannte Laterne mit der Zwiebelhaube und Gloriole bildet den Abschluss dieses eigentümlichen Kirchenturmes.
Das Innere der Kirche wird dominiert vom Hochaltar mit dem Bildnis »Maria Krönung« von Friedrich Stoll aus dem Jahre 1634. Die drei Deckenfresken malte 1820 ein Schüler des Kremser Schmidt namens Leopold Mitterhofer. Der Marienzyklus stellt über dem Altarraum Maria Verkündigung, über dem Kirchenschiff Maria Heimsuchung und über dem Chor Maria Schmerzen dar.
Die Frauenkapelle ist links an das Langhaus angebaut. Rechterhand wurde 1666 die berühmte Loretokapelle errichtet. Es ist dies eine maßstabgetreue Kopie des sogenannten »Heiligen Hauses« auf dem Loretohügel in Dalmatien südlich von Ancona. Dieses »Heilige Haus« wurde vom Volk als das heilige Haus von Nazareth verehrt. Es soll von Engeln nach Loreto übertragen worden sein.
Wir wenden uns jetzt der rechten Außenfront der Kirche zu.
Künstlerisch besonders wertvoll ist die Fassade der Loretokapelle, die vom Kremser Künstler Wilhelm Andschitz in Kalktünchemalerei gestaltet wurde.
Auf der Hauptschauseite ist Mitte links die Anbetung der Hirten zu sehen, Mitte rechts die Anbetung der Könige. Umrahmt werden die beiden Darstellungen von Nischenfiguren, oben sind dies Sibyllen (weissagende Frauen aus dem Altertum), unten Propheten. In der Mitte ist König David mit der Harfe zu erkennen.
Leider wurden die Fresken bei verschiedenen Fassadengestaltungen übermalt und erst bei der großen Außenrenovierung im Jahr 1983 kamen sie wieder zutage. In mühsamer und kostspieliger Arbeit ist es gelungen, dieses seltene Kunstwerk freizulegen.
Die Außenecke zwischen Loretokapelle und Langhaus wurde durch Betreiben des Straßer Mühlenbesitzers Franz Springer zu einer Armenseelenkapelle ausgestaltet. 1834 malte Leopold Mitterhofer das Freskobild. Diese Kapelle wurde zum Gedenken an alle jene errichtet, die im alten Friedhof rund um die Kirche begraben wurden, denn im Jahre 1826 musste der Friedhof im Auftrag der Sanitätsbehörde auf den heutigen Standort am Ortsende verlegt werden.
Am Schlusspunkt unseres Bildstockwanderweges sehen wir in der Armenseelenkapelle das Bildnis des Gekreuzigten, zu dem sich – nach Erlösung ringend – die armen Seelen im Fegefeuer empor strecken. Wir haben auf unserer Wanderung viele Kreuze und Bildstöcke gesehen, doch so eindringlich und intensiv wie hier hat uns keine Darstellung mitgeteilt, dass einzig und allein Jesus Christus am Kreuz unsere Hoffnung auf Erlösung trägt.
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