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Über das Erstauftreten der Peronosporakrankheit in Straß

Peronospora (Blattfallkrank­heit) oder Falscher Mehltau (Plasmopera viticola), die im Volksmund als „Müdau" be­kannt ist, wurde erstmals 1878 in Südfrankreich gefunden, wo sie mit den reblausresistenten Unterlagsreben aus Nordameri­ka eingeschleppt worden war. Diese Pilzkrankheit zerstört Blätter und Trauben. 1886 ge­lang es Professor Millardet aus Bordeaux, ein wirksames Be­kämpfungsmittel zu entwickeln. Es handelte sich um die soge­nannte „Bordeaux-Brühe" -Schwefelkalkbrühe.

Informationsquelle Pfarrchronik

Als wichtige Quellen für die Weinbauge­schichte können die Pfarrchroniken von Straß und Elsarn heran­gezogen werden, da sie auch über wirtschaftli­che Verhältnisse, das Wetter und die Zustände und Erträge der Wein­gärten und Äcker berich­ten.

Pfarrchronik Straß 1889: „Anzeichen der Peronospora (Laub­brand). Im Spätsommer zeigten sich in vielen Weingärten an al­len Blättern rotbraune Flecken, die man anfangs wenig beachte­te und deshalb auch keine Gegenmittel anwendete. Diese Flecken wurden aber immer größer, ergriffen das ganze Blatt, so dass es bald ganz dürr und trocken wurde. Diese Flecken waren auf der Außen­seite rostbraun, auf der inneren Seite wie ein weißes Spinnenge­webe und nahmen rapid bald das ganze Blatt ein. So kam es, dass im Frühherbste ganze Weingärten anstatt grün ganz braun waren. Nun stellte es sich heraus, dass diese rostbraunen Flecken die gefürchtete Krank­heit, der sogenannte „Laub­brand Peronospora" war, die z.B. in Südtirol schon seit 2 De­zennien auftritt und gegen wel­che verschiedene Mittel ange­wendet werden."

Dagegen berichtet die Pfarrchronik Elsarn im selben Jahr:

„Der Sommer bisweilen sehr heiß, doch öfter Regen, daher auch der Wein an Quantität ziemlich gut, auch Qualität gut, und auch die übrigen Früchte gediehen gut."

Pfarrchronik Straß 1890: „Starkes Auftreten der Perono­spora. In diesem Jahre trat in den Weingärten die Peronospo­ra (Laubbrand) furchtbar auf, ganze Weingärten waren schon im August ganz dürr und sahen anstatt grün - braun aus. Der Traubenansatz war ein großer gewesen, aber infolge der furchtbaren Krankheit wurden die Stängel der Trauben frühzei­tig welk und trocken, die Beere schrumpfte zusammen und gab zur Lesezeit sehr wenig und da­bei sehr sauren Most. Nur jene wenigen, welche gegen die Pe­ronospora das Bespritzen mit Kupfervitriol (2 Kilo Kupfervi­triol aufgelöst in 100 Liter Was­ser, dazu 2 Kilo Kalk) in eigens construierten Spritzen ange­wendet hatten, erhielten viel und sehr guten Most."

Pfarrchronik Elsarn 1890: „In den Weingärten in Folge der Trockenheit Laubdürre /:Pero-nospora:/ und Abfallen der Blät­ter, weshalb auch die Trauben zum größeren Theil abfielen, und die noch übrigen nicht voll­ends reifen konnten. Daher we­nig und sehr geringer Wein."

Pfarrchronik Straß 1891: „Der Winter vom Jahre 1890-91 war sehr strenge und schadete der starke Frost auch vielfach dem Weinstocke, der ohnedies durch die vorjährige Laub­krankheit stark gelitten hatte. Jetzt zeigte sich auffallend der Nutzen des angewandten Bespritzens mit Kupfervitriol; die Reben von bespritzten Weingär­ten waren viel besser ausgereift, daher auch widerstandsfähiger, und trieben im Frühjahr viel besser an. Die meisten Wein­hauer griffen nun volens - nolens zur Spritze und zwar mit Erfolg. Die Krankheit zeigte sich bald wieder, jedoch wurde ihr fest entgegen gearbeitet und den Verheerungen derselben Einhalt gethan."

Pfarrchronik Elsarn 1891: „In den Weingärten wurde als Mittel gegen die Peronospora das Bespritzen mit Kupfervitriol, gemischt mit Kalkwasser ange­wendet, wodurch das Laub gut erhalten wurde. Doch wenig aber guter Wein."

Pfarrchronik Straß 1893: „Gegen die stark auftretende Peronospora (Laubbrand), musste auch heuer wieder mit Bespritzen mit Kup­fervitriol angekämpft werden, aber leider ka­men viele Hauer zu spät dazu, so dass in manchen Weingärten diese Arbeit nicht mehr nützte und das Laub frühzeitig dürr wurde und vom Winde weggeweht wurde."

Pfarrchronik Straß 1896: „Die Weingärten mussten aber wegen der wieder auftretenden Pe­ronospora 3 - 4 Mal be­spritzt werden."

In den nächsten Jahren wird über die Peronospo­ra nicht mehr berichtet. Die Weinhauer hatten eine Möglich­keit zur Bekämpfung gefunden und somit hatte diese Krankheit ihre erschreckende Wirkung verloren. Damit wurde sie auch von den geistlichen Chronisten nicht mehr als erwähnenswürdig erachtet.

Die Notwendigkeit der Sprit­zung gegen diese Krankheit ist aber geblieben, nur die Be­kämpfungsmethoden haben sich wesentlich verfeinert, aber auch verteuert.

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