Mittelalterlicher Weinbau in Straß
Wann erstmals in unserer Region Weinstock gepflanzt wurde, lässt sich kaum mehr eruieren, allerdings dürfte auch die wilde Form des Rebstockes hier heimisch gewesen sein.
Grabungen im Bereich von Gars konnten in Abfallgruben aus der frühmittelalterlich-slawischen Epoche (9., 10. und erste Hälfte 11. Jahrhunderts) Rebkerne sichergestellt werden. Die Biologen konnten leider keine klare Bestimmung treffen, ob es sich um den Edlen Weinstock oder die Wilde Rebe handelt.
Im Urbarteil des Zwettler Stiftungsbuches (Liber fundatorum, aufgeschrieben zwischen 1311 und 1314) findet man bereits bekannte Flurnamen: „Item de vineis in montibus Gaizberg et Hellstain pro iure montis viij solides“. Das heißt im Klartext, dass von den Weingärten in den Bergen Gaisberg und Heiligenstein an Bergrecht so und soviel Geld (Solidi) abzuliefern seien.
Ab nun hören wir relativ häufig vom Weinbau im Straßertal. Interessant ist aber eine Urkunde, auf die ich näher eingehen möchte.
Im Jahre 1361 stiftet der Burgherr von Wiedendorf, Jans der Straßer, eine Kapelle vor seinem Haus und lässt sie der Mutter Gottes weihen. Er stattet sie reichlich aus und vermacht noch einige Grundstücke dieser Stiftung, um einen Kaplan hier zu erhalten. Dazu gehörte auch die Hofstatt des Heinrich Trempler aus Wiedendorf mit seinem Raifal (Raival?)-Weingarten, der den Opferwein für den Kaplan liefern sollte.
Somit haben wir den ältesten Weinsortenhinweis aus unserer Region. Der Raifal, Raiffal, Rayffal oder Raifl war eine Süßweinsorte und stammte angeblich aus Rivoglio in Istrien und erhielt daher diesen Namen.
Historisch gesichert ist die Anlage von Weinkulturen im Straßertal aus dem Jahre 1302. Ab diesem Jahr existieren genaue Aufzeichnungen im Stift Göttweig über die Ablieferung des Körner- und Weinzehents aus Straß.
Was waren die Hauptsorten in der Vergangenheit? Die Groben oder Heunisch gehörten mit Sicherheit zu den ältesten Sorten in Mitteleuropa; sie sind bereits im hohen und späten Mittelalter nachweisbar. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts dürften sie in Niederösterreich dominierend gewesen sein. Der Raifal bildete eine Besonderheit und wurde daher in der Stiftungsurkunde extra ausgewiesen, wodurch seine Sonderstellung unter Beweis gestellt werden sollte.
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